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Internatsschüler auf Hochseefahrt

 

„High Seas High School“ heißt das außergewöhnliche Projekt, für das die Hermann Lietz-Schule Spiekeroog jedes Jahr Schülerinnen und Schüler zwischen 15 und 18 Jahren auf große Fahrt schickt.


Bereits zum 16. Mal stach in diesem Schuljahr 2008/2009 die „High Sea High School”, das so genannte segelnde Klassenzimmer der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog in See. Am 18. Oktober 2008 begann die Reise für 43 Schülerinnen und Schüler, die Stammbesatzungen und zwei Lehrerteams.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten verantwortlich im Schiffsbetrieb, leben in einer Bordgemeinschaft zusammen mit der Crew und den Lehrern, erhalten Unterricht an Bord und unternehmen Landexpeditionen.

In diesem Jahr führt die Route über Teneriffa, Union Island, Martinique, Curacao und Panama nach Costa Rica, Belize und Kuba. An den letzten drei Stationen finden mehrwöchige Landexkursionen statt, dann geht es zurück nach Europa über die Bahamas, Bermuda und die Azoren. Die beiden Schiffe – der Zweimastschoner „Johann Smidt” und die Brigg „Astrid” werden am 2. Mai 2009 nach über sechs Monaten auf See wieder in Hamburg festmachen.

Von den Erlebnissen einer Schülerin auf einer solchen Abenteuerfahrt berichteten die „Kieler Nachrichten“ in ihrer Ausgabe vom 23.12.2006:


Leah Schroedter (16) lebt und lernt derzeit an Bord der Thor Heyerdahl bei 30 Grad

Raisdorf – Sie wurde im Englischen Kanal heftig durchgepustet, hat auf Teneriffa den höchsten Berg Spaniens erklommen und fast vier Wochen kein Land gesehen, als sie den Atlantik überquerte. Seit zweieinhalb Monaten ist Leah Schroedter (16) auf der "Thor Heyerdahl" unterwegs, lebt und lernt dort mit fast 30 anderen Jugendlichen im Rahmen des Projektes High Seas High School (HSHS). Auch die Festtage wird sie an Bord des Großseglers verbringen.

"Während der Weihnachtstage werden wir auf dem Wasser sein ... irgendwo vor Panama wahrscheinlich", schrieb sie jetzt in einer Mail an unsere Zeitung und schickte aus der Karibik "schöne Grüße von Union Island". Als sich Leah für das Projekt beworben hat, bei dem Schüler der zehnten und elften Jahrgangsstufe an Bord unterrichtet werden und gemeinsam mit einer Stammcrew das Schiff führen, da wusste sie schon, dass sie sich auf ein richtig großes Abenteuer einlässt. Rund sieben Monate dauert die Reise, die am 14. Oktober in Kiel begann. Die Route geht über Teneriffa, Union Island, Martinique und Panama nach Costa Rica und Kuba, dann über die Bahamas, Bermuda und die Azoren Richtung Heimat. Am 28. April soll die Thor Heyerdahl in Hamburg anlegen.

"Ich habe jetzt schon viele tolle Sachen erlebt, ganz besondere Menschen kennen gelernt und, wie ich finde, auch schon über mich selber ein wenig dazugelernt", heißt es in Leahs "karibischer Mail" weiter. Und genau das sind ganz wichtige Aspekte des Projektes, das das Hermann-Lietz-Internatsgymnasium auf Spiekeroog/Niedersachsen vor 13 Jahren ins Leben gerufen hat.

Verantwortung übernehmen, im Team arbeiten, eigene Grenzen ausloten – das Leben an Bord stellt eine große physische und psychische Herausforderung an die Jugendlichen dar und lässt sie als junge Erwachsene zurückkehren. Davon ist auch Leahs Mutter fest überzeugt. Susann Schroedter findet es super, dass ihre Tochter – übrigens die einzige Schleswig-Holsteinerin an Bord – die Chance für so eine großartige Erfahrung beim Schopf gepackt hat. Aber auch sie kostet das Unternehmen Kraft. "Zwischendurch ist mir schon mulmig", gibt sie lächelnd zu. Besonders hart sei es gewesen, nach einem Telefonanruf von Teneriffa Ende November bis zu einer E-Mail Mitte Dezember nichts von Leah persönlich erfahren zu haben. Übers Internet kann sie sich allerdings über die Reise auf dem laufenden halten. Dort wird unter anderem ein Tagebuch, in dem die Jugendlichen im Wechsel ihre Eindrücke schildern, veröffentlicht (www.hshs.kiel.provinzial.de).

Leah hat darin am 8. Dezember ihre Eindrücke von Martinique – aktuelle Temperaturen dort 30 Grad Celsius – geschildert. In einem kleinen persönlichen Gruß an ihre Familie am Ende wird ihre Begeisterung über die Reise deutlich ("ich bin soooo glücklich!"). Außerdem bittet Leah darin: "Knuddelt mir Cappi". Das ist ihr Jagdhund, den sie selbst ausgebildet hat, und den sie – das war ihr vor der Reise schon klar – furchtbar vermisst.

In ständigem Kontakt steht der in Kiel ansässige Verein "Segelschiff Thor Heyerdahl e.V." mit dem Kapitän der Thor Heyerdahl. Bei ernsthaften Vorfällen würde er die Eltern umgehend benachrichtigen. Über das Vereinsbüro können die Eltern übrigens Briefe an ihre Söhne und Töchter schicken: Sie werden im Fluggepäck von Mitgliedern der festen Crew mitgenommen, die sich zwischendurch ablösen. Zum Jahreswechsel geht so eine Sendung direkt an Bord. Susann Schroedter will Leah natürlich schreiben und auch diesen Zeitungsbericht dazu legen. So nutzen wir die Gelegenheit für einen direkten Gruß:

Liebe Leah, wir wünschen Dir weiterhin eine spannende Zeit, interessante Begegnungen und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel – gute Wache! hbr