Schulpolitik ist in Hessen immer noch ein schwieriges Gelände. Das zeigte sich beim Besuch von Alexander Bauer – CDU-Bildungspolitiker – an der Odenwaldschule (OSO). Margarita Kaufmann, seit einem Jahr Leiterin, nahm die Gelegenheit wahr und zeigte, wie aus Nöten auch Tugenden werden können. Die viel diskutierte Umstellung auf das 8-jährige Gymnasium findet an der OSO nicht statt. Die OSO wolle als Alternative mehr Zeit zum gemeinsamen Lernen und Leben bieten und bleibt bei 13 Jahren bis zum Abitur. Die Kombinationen, die an der OSO geboten werden, nehmen allerdings auch viel Zeit in Anspruch: Einen Gesellenbrief und das Fachabitur parallel zu machen geht nicht in der verkürzten Gymnasialzeit. Kritisch angesprochen wurde auch die Einführung des Zentralabiturs. Den Lehrern werde Spielraum genommen, um eigene Schwerpunkte zu setzen oder auf besondere Interessen der Schüler einzugehen. Auch ein Seitenhieb auf die Gesamtschule fehlte nicht: Die Idee der Gemeinschaftsschule ist an der OSO seit fast hundert Jahren Realität, und der Erfolg widerlege die allzu frühe Aufteilung der Schüler nach ihrer schulischen Leistungsfähigkeit.