Die Schule Schloss Salem bietet seit diesem Schuljahr 2009/10 auch bereits den 8. Jahrgang als internationale Klasse an. Die Schuljahrgänge 9 und 10 wurden zu Beginn des Schuljahres 2008/2009 in diesem Zweig eingerichtet. Alle Fächer werden in englischer Sprache unterrichtet, sind jedoch voll in die Stundentafel, die Curricula und die Versetzungsregeln des Baden-Württembergischen Schulrechts integriert. Damit wird innerhalb des bestehenden staatlichen Systems modellhaft eine internationale Variante eingeführt. Das ist nicht nur für Salem ein erwünschter Entwicklungsschritt; das Südwest-Bundesland weist dem Schulwesen insgesamt den Weg in Richtung Internationalität.
Internationalität und Weltoffenheit gehören seit der Gründung im Jahr 1920 zum programmatischen Kern Salems. Heute sind rund ein Viertel seiner Schüler nicht-deutscher Herkunft. Ein schulisch entscheidender Schritt wurde vor 16 Jahren mit der Einführung des International Baccalaureate (IB) getan, das Salemer Schülern alternativ zum Abitur einen weltweit anerkannten Hochschulzugang in englischer Sprache anbietet. Ebenso konsequent war die Einführung des Pre-IB (Jahrgang 10) vor neun Jahren. Das Pre-IB wird ab 2008/2009 in das Modell der internationalen Klasse überführt. Salem war bislang das einzige IB-Internat Deutschlands, mittlerweile ist Louisenlund als weitere IB World School in den Reihen der LEH-Internate dazu gekommen.
Unter Internationalisierung versteht man in Salem nicht das Hinzufügen eines englischen Zweiges, sondern die gegenseitige Befruchtung unterschiedlicher Ansätze und Systeme – und das nicht nur im Rahmen des Unterrichts. Im Internat finden die Schüler einen Lebensraum, der ihnen das Erleben und die Bearbeitung interkultureller Differenzen auch außerhalb des Klassenzimmers erlaubt. Im Zuge der Entwicklung der Ganztagsschule sollte es möglich werden, die in Salem gesammelten Erfahrungen sprachlich-soziokultureller Internationalisierung auf die Schule als Lern- und Lebensraum insgesamt zu übertragen.
Alle Schulen werden sich in Zukunft auch daran messen lassen müssen, in wieweit es ihnen gelingt, ihre Schüler in Zeiten der Globalisierung auf neue kulturelle, soziale und wirtschaftliche Herausforderungen vorzubereiten – und dies in zweifacher Dimension: Sie müssen sich für Schüler ausländischer Herkunft in anderer Weise als bisher attraktiv machen, und sie müssen deutschen Schülern die Kompetenzen vermitteln, die sie zum Leben und Lernen in grenzüberschreitenden Kontexten benötigen. Auch die Fähigkeit, ein Studium an den im Bologna-Prozess sich mit Bachelor- und Master-Abschlüssen und englischsprachigen Studiengängen internationalisierenden deutschen Hochschulen aufzunehmen, muss in der Schule erworben werden können.