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Privatschulen - speziell Internate - nützen dem Schulwesen insgesamt: ökonomisch und qualitativ, erschienen in der FAZ 26.1.2012
Vom Privatschul-Boom weiß inzwischen jeder; im Wochenabstand hört man von Neugründungen. Das staatliche Schulwesen scheint eine Abstimmung mit den Füßen zu erleben. Die deutsche Schulmisere treibt immer mehr Eltern dazu, nach Alternativen Ausschau zu halten. Wackelt das staatliche Bildungsmonopol? Bewegen wir uns im Schulwesen auf eine Zweiklassen-Gesellschaft zu? „Sind Privatschulen eigentlich nur etwas für Reiche?“, fragt BILD.
Ein Blick auf die Zahlen und Fakten kann da beruhigen:
1. Der Anteil der privaten an den Schulen insgesamt wächst zwar, hält sich aber mit derzeit rund 8 Prozent in bescheidenen Grenzen. Von einer umfassenden Privatisierung des Schulwesens sind wir weit entfernt, und niemand strebt dieses Ziel an.
2. Die Privatschulen in Deutschland sind extrem unterfinanziert. Zur Deckung ihrer Kosten müssen sie bei den Eltern Schulgelder erheben. Zugleich entlasten sie das Schulwesen insgesamt jährlich um Milliardenbeträge.
3. Privatschulen sorgen im Bildungswesen für einen nützlichen Wettbewerb, den sie bisher weithin für sich entscheiden.
Privatschulen sind extrem unterfinanziert
Private Schulen zu besuchen und zu gründen, ist ein Grundrecht. Zu gunsten eines vielfältigen pädagogischen Angebots lässt das Grundgesetz neben den staatlichen auch freie Bildungsträger zu. Die Bundesländer unterliegen der gesetzlichen Pflicht, anerkannten Privatschulen die Kosten zu ersetzen.
Die Art, wie die Länder dem nachkommen, ist nur skandalös zu nennen. Die verfassungskonforme Finanzierung der freien Träger wird massiv unterlaufen. Die meist gemeinnützigen Privatschulen sind in Deutschland existenzgefährdend unterfinanziert. Um ein qualitätsvolles, wettbewerbsfähiges Angebot aufrecht zu erhalten, müssen teilweise erhebliche Schulgebühren erhoben und Spenden- oder Sponsoring-Quellen erschlossen werden. Die Rechtsprechung hält einen Elternbeitrag von rund € 200 im Monat für hinnehmbar. Für manchen ist das schon unerschwinglich, aber immer mehr Eltern sind bereit, beträchtliche Aufwendungen für eine exzellente Schulbildung als notwendige Investition in die Zukunft ihrer Kinder zu akzeptieren.
Es ist unbestritten, dass die staatlichen Ersatzzahlungen pro Privatschüler meist weit unter den Ausgaben an staatlichen Schulen liegen. Zieht man nicht nur die Personalkosten der Lehrer, sondern auch Pensionsleistungen und Aufwendungen für Schulbau, -unterhaltung und Bürokratie hinzu, so liegt der Deckungsgrad bei den Privaten faktisch bei ca. 60%. Damit dürfte sich der Entlastungseffekt für den Staat auf dem Rücken der Privatschulen auf zwei bis drei Mrd. € jährlich beziffern. Nicht der Staat subventiniert also die „Eliteschulen der Reichen“, sondern umgekehrt liefern die Kosteneffizienz der Privatschulen und die Gebühren der Privatschul-Eltern einen erheblichen Beitrag zur Schonung der staatlichen Bildungshaushalte.
Privatschulen sorgen für Wettbewerb um Qualität im Schulwesen insgesamt
Trotz ihrer Unterfinanzierung sind Privatschulen in ihrer Leistungsfähigkeit den staatlichen Schulen häufig voraus. Freie Bildungsträger müssen sich um ihre Schüler bewerben, sie stehen im Wettbewerb, sie müssen durch einen „Mehrwert“ überzeugen. Sie bieten günstige Voraussetzungen dafür, sich auf neu entstehende Bildungsbedürfnisse schnell und schülerorientiert einzustellen. Fast alle wesentlichen schulpädagogischen Neuerungen der letzten Jahrzehnte sind in freien Schulen erfunden und entwickelt worden. Vor allem können und wollen sie sich auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Schülers sehr individuell einstellen. Schulklima und Förderkultur sind überlegen. Studien des Münchener Bildungsforschers Ludger Wößmann zeigen, dass die Privaten auch dann vorne liegen, wenn man den Creaming-Effekt herausrechnet, dem zufolge sie eher von leistungsfähigen und motivierten Schülern aus bildungsorientierten Elternhäusern besucht werden. Und nicht nur Privatschulen profitieren vom Wettbewerb; es zeigen sich positive Effekte für das Schulsystem und die Schülerleistungen insgesamt. Je größer der Wettbewerb, desto höher die Bildungsqualität überall.
An der Spitze des Fortschritts standen und stehen reformpädagogische Internate. Längst sind sie dort angekommen, wo sich unser Schulsystem vielleicht einmal wiederfinden wird: Sie sind zuendegedachte Ganztagsschulen. Sie verfügen über Erfahrungen in Fülle, wie man Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen auch im Rahmen des 12-jährigen Gymnasiums zu einem durchdacht rhythmisierten „Rund-um-die-Uhr“-Programm verdichtet, wie man über das schulische Lernen hinaus kreative, soziale und sportliche Kompetenzen und Interessen entdeckt und entwickelt, wie man Jugendliche in ihrem Freizeitverhalten gegen die Verlockungen der Konsum- und Spaßwelt stärkt, wie man Schulen zu einladenden, gemeinschaftlichen Lebensräumen für Lernende und Lehrende umgestaltet. Aufwendige Stipendienprogramme sorgen dafür, dass auch Kinder weniger betuchter Eltern in den Genuss solcher Schulen kommen.
Die staatlichen Bildungsplaner sind herzlich eingeladen, sich anzusehen, wie man dort Bildungsqualität schafft - pädagogisch und wirtschaftlich.
Autor: Dr. Hartmut Ferenschild
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